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ZORNICH - "zornige
alte männer"
von versuchx | Tönisvorst |
Albumrezension, ursprünglich für den PANKERKNACKER
ZORNICH zornige alte männer
Morgens muss man sich entscheiden,
insbesondere Montagmorgens. Entweder lässt man sich ein auf das sich
mit jedem Kilometer in Richtung Job verändernde Reifengeräusch
- vom luftigen Sirren einer feiertäglichen Sonnenscheinspritztour
zur Abfahrt bis hin zum nagelnden Geklirre wie von Panzerketten auf dem
Weg ins Schlachtfeld kurz vor der Ankunft -, oder man verpasst dem Unweigerlichen
einen adäquaten Soundtrack mit dem CD-Spielgerät. Allmähliche
Annäherung, schleichender Tod - oder Brett.
ZORNICH fällt in letztere Kategorie und verrät einem, wenn man
zornige alte männer einlegt, schon zu Wochenbeginn, wie
man sich mit einiger Wahrscheinlichkeit am Ende der Woche fühlen
wird. "Du denkst den ganzen Tag nur an die Kohle auf der Bank, und
jeden Tag zur Arbeit - es macht Dich krank", und dem nicht mehr als
nur irgendwie ausgeliefert, irgendwie - armseliges Gefühl, kein Wunder
also, dass denen da mehr als einmal Text aus dem Hals fliegt, der vieles
und vor allem die berühmt-berüchtigten Umstände "ungerecht"
findet.
Was bleibt zu tun, wenn man kaum etwas tun kann? Schreien, Gurgeln, Gitarre,
Bass und Schlagzeug dagegen Auftürmen, Rempeln und Versichern, dass
einen alle und alles mögliche vielleicht alleine lässt, ZORNICH
aber gerade in der dunklen Stunde bleibt.
Die passende Montagmorgenuntermalung - krächzig vom Wochenende, an
dem die Welt noch in Ordnung war, einen aber trotzdem wieder einmal von
den Beinen geholt hat, schreiend-wütend angesichts all des so erbärmlich
Üblichen, mal in der einen, mal in der anderen Sprache vor Wände
stoßend und stets wenigstens einen Ton und einen Takt daneben. Bekannt,
oder? Und vielleicht hat gerade deshalb dieser von ZORNICH zusammengeprügelte
Genre-Bastard etwas. Zwei wochenendliche Sessions (laut Booklet, laut
Presseinfo eine "Mühsal") konnten eigentlich kaum mehr
ergeben, kurzweilige, dezentprollige Garagenmucke. Wenigstens geeignet
für Montagmorgen.
Fehlt was? Ach ja, St. Pauli muss wohl irgendwie Erwähnung finden,
denn dessen 100sten hat ZORNICH nämlich mitgefeiert und eine kleine
Heimkindhymne zum Mitgrölen beigesteuert. Wer belügt uns
nie? - St. Pauli! Na also, noch elf mehr, die einem beistehen.
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